ATV PROBLEME MIT STEUERBOX

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09. märz 2008
by raumfahrt50plus

Nach dem völlig frei von Schwierigkeiten verlaufenem Start und dem folgendem Entfalten der Solarzellenpaddel, bis hin zum Ausfahren des Näherungsgelenkarmes der Voraussetzung für das Funktionieren der Rendevouzoperationen mit der ISS ist, wurden am Nachmittag erste Gerüchte über Probleme mit einer Steuereinheit laut.

Die ESA hat diesen Sachverhalt inzwischen bestätigt, aber gleichzeitig den Eindruck vermittelt, als sei das ganze weitgehend unter Kontrolle.

Das Problem selbst scheint mit einer Störung innerhalb einer, PDE (Propulsion Drive Electronics) genannten Steuerbox zusammen zu hängen. Deren besitzt das ATV vier und jede davon kontrolliert ein Viertel aller Steuerdüsen, inklusive der vier Haupttriebwerke des Raumtransporters, samt aller zugehörigen Tanks, Ventile und Leitungen.

Laut Angebe von John Ellwood, ATV Projekt Manager der ESA, zeigte sich das Problem, als das Antriebssystem kurz nach dem Start aktiviert werden sollte. Eine der vier PDE-Einheiten meldete dabei eine geringfügige Druckdifferenz zwischen Oxitador und Treibstoff innerhalb der Treibstoffleitungen. Gleichzeitig stufte sie diesen Sachverhalt selbsttätig als Anomalie ein und die Software übergab die Kontrolle dieser Einheit an eine der anderen Kontrollketten, welche scheinbar problemlos arbeitet.

Generell könne dies die Folge eines Softwarefehlers sein oder mit einem Problem innerhalb des komplexen Leitungssystem für Treibstoff und Heliumgas sein, welches von den Tanks zu den Düsen des ATV führt, sagte Ellwood.

Als Folge der Ereignisse setzten die Verantwortlichen zuerst einmal die eigentlich geplanten ersten Zündungen der Triebwerke aus. Diese sind erforderlich, um die Höhe der Umlaufbahn von Jule Verne derjenigen der Internationalen Raumstation anzupassen. Eine ganze Reihe solcher Zündungen müssen durchgeführt werden, bis ein erster Parkorbit mit einer angestrebten Position von zirka 2000 km vor der ISS am 19. März erreicht werden kann.

Bis dahin haben auch die Techniker der Bodenkontrolle Zeit, das Problem zu lösen. Dazu soll in einem ersten Schritt die Elektronik neugestartet und rekonfiguriert werden, wie bei einem Hochfahren nach einem Systemabsturz. Sollte dies nicht fruchten, werden weitere Analyseschritte und Maßnahmen erforderlich.

Prinzipiell kann der Raumtransporter ebenso mit nur drei der vier PDE´s betrieben werden. Im ungünstigsten Fall geht dadurch aber auch die Möglichkeit einher, dass nur drei Viertel der Steuerdüsen richtig angesteuert werden können. Dies funktioniert zwar generell gesehen schon, nur verbrauchen dann die anderen Düsen durch die dann erforderliche asymmetrische Ansteuerung auch entsprechend mehr Treibstoff. Wie sich das wiederum auf die geplanten Rendevouzmanöver mit der Raumstation auswirken wird, ist noch unklar. Deshalb wird das ganze bei der ESA auch als Anomalie eingestuft und intensiv untersucht.

Nicolas Chamussy, Programm Manager beim Hauptkontraktor Astrium sagte, dass die Ingenieure in der Lage sind, die volle Einsatzbereitschaft der betreffenden Kontrollkette wiederherzustellen, sobald das Problem gelöst sei.

Die Offiziellen teilten mit, es sei ausrechend Zeit vorhanden, den Sachverhalt in Griff zu bekommen. „Wir haben eine 10-tägige Marge, bevor wir die Demo-Tage am Ende des Monats beginnen müssen.“, sagte Ellwood in Hinblick auf die notwendigen Steuer- und Kontrollerfordernisse an das ATV bei der Annäherung an die Internationale Raumstation.

Der Ausfall der Steuerkette beweist zwar insgesamt gesehen, die Fähigkeiten der internen Elektronik, Anomalien selbsständig zu erkennen und rechtzeitig entsprechende Schritte einzuleiten, auf redundante Systeme umzuschalten. Das Ganze stellt jedoch dennoch nichts desto trotz ein erstes grösseres Problem beim Jungfernflug dieses hochkomplexen Raumfahrzeugs dar, auch wenn dies bisher von den ESA-Verantwortlichen offiziell als nicht ernst eingestuft wurde.

Bildquelle: ESA/ Nadja Imbert-Vier

 

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~ von raumfahrt50plus - 9/ März/ 2008.

 
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