ATV – COLLISION AVOIDANCE MANOEUVRE

atv1_cc_b.jpg

14. märz 2008
by raumfahrt50plus

Eigentlich signalisiert es ja einen äusserst kritischen Zustand für ein Raumfahrzeug, wenn, wie heute morgen beim ATV Jules Verne geschehen, sämtliche reguläre Kontrollsysteme nicht mehr aktiv sind und die EDV in einen „Letzte-Chance-Überlebensmodus“ schaltet.

Aber diesmal war das Gesamtergebnis des Ganzen in Wirklichkeit ein großartiger Erfolg. Gegen 9.00Uhr MEZ hatten die Flugkontrolleure im ATV-CC in Toulouse das ATV nämlich absichtlich in diesen aussergewöhnlich Zustand versetzt, den sich niemand ernsthaft wünscht. Das Abschalten der nominalen Systeme war Teil eines der wichtigsten Tests für den neuen europäischen Transporter und der Demonstration seiner Fähigkeiten.

Im Falle einer derartigen Fehlfunktion im Endanflug auf die Internationale Raumstation muss sichergestellt sein, dass das ATV den Aussenposten nicht unkontrolliert rammt und beschädigt. Dafür wurde es mit der sogenannten Monitoring and Safing Unit (MSU) ausgestattet. Diese soll, im Fall des Versagens der Hauptsteuerungseinheiten, die Kontrolle übernehmen und das ATV sicher von der Station fort bewegen. Der Bestätigung der vollen Einsatzbereitschaft dieses Systems diente der heutige Test.

Das Ergebnis war absolut zufriedenstellend. „Es lief perfekt, die MSU steuerte das ATV exakt wie erwartet. Anschließend hatten wir eine perfekte Wiederherstellung des Raumfahrzeugs vom Sicherheitsmodus, bei dem es zur Sonne ausgerichtet wird, und einen Reset der Bordcomputer. Das ATV ist zurück im Reise-Modus“, sagte Alberto Novelli, der ESA Missions Direktor im Kontrollzentrum in Toulouse.

Projekt Manager Ellwood ergänzte, dass es richtig gewesen sei, als Back up quasi ein „Raumschiff im Raumschiff“ zu entwickeln. Nunmehr habe man immer einen Weg in der Hinterhandhand, um sich, im Falle von Schwierigkeiten, gefahrlos von der Raumstation entfernen zu können.

Die heutige Collosion Avoidance Manoeuvre (CAM) Demonstration, die von 60 Flugkontrolleuren von ESA und französischer Raumfahtagentur CNES aufmerksam verfolgt und begleitet wurde, fand in einem grossen Sicherheitsabstand zur ISS statt und beinhaltete auch eine 200 Sekunden dauernde Triebwerkszündung, zu einem Zeitpunkt als der Transporter Nordafrika passierte.

Im Resultat war der Test vor allem auch eine Bestätigung für die internationalen Partner des ISS-Programms, die alles intensiv von ihren eigenen Kontrollzentren in Moskau und Houston aus verfolgt hatten. Das ATV konnte eindrucksvoll demonstrieren, dass es auch im Falle einer Fehlfunktion in der finalen Andockphase keinerlei Gefahr für die ISS oder seine Besatzung darstellt.

Bildquelle: ESA

Advertisements

~ von raumfahrt50plus - 14/ März/ 2008.

 
%d Bloggern gefällt das: