FLUGTAG 4 – KIBO / DEXTRE / EVA 1

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14. märz 2008
by raumfahrt50plus

Nach sieben Stunden im freien Weltraum hatten die Astronauten Richard Linnehan und Garrett Reisman doch ein wenig mit der Luke an der Luftschleuse des Quest-Moduls der Internationalen Raumstation zu kämpfen. Es schien fast so, als hätten sich die beiden an die Weiten des Alls zu sehr gewöhnt. So gelang es ihnen kaum, den schützenden Deckel in der beklemmenden Enge des Einstiegszylinders zu schliessen, um ihren ersten Aussbordeinsatz während der Endeavour-Mission auch erfolgreich beenden zu können.

Genau eine Minute nach Ablauf der siebten Arbeitsstunde im Vakuum des Alls war diese kleine Episode des heutigen Flugtages jedoch nur noch eine Randnotiz. Zu diesem Zeitpunkt wurde die gesamte Schleuse wieder unter atmosphärischen Druck gesetzt und das Einströmen der atembaren Luft der Raumstation symbolisierte das offizielle Ende des EVA-1 (Extra Vehicular Activity). Zuvor hatten die kosmischen Aussenarbeiter die bewohnbare Sektion des japanischen Experiment Logistic Modul so vorbereitet, dass sie aus der Ladebucht des Shuttle gehoben werden konnte, sowie erste Ausstattungsarbeiten an der kanadischen Dextre-Hand vorgenommen.

Die vorbereitenden Arbeiten am ELM-PS oder im NASA-Jargon JPL genannten Modul ebneten den Weg für eine ganze Reihe von komplexen Operationen mit dem Roboterarm der Raumfähre, mit dem Ziel, das neuste Bauteil der ISS aus dem Bauch der Endeavour zu seinem vorläufigen Montageort am oberen Anschlussstutzen des Harmony-Moduls zu befördern.

Vom Kommandostand des Arms aus, hatten der japanische Astronaut Doi und sein Commander Gorie das trommelförmige Elemente mit dem Arm „gegriffen“ und bewegten es, vor dem Hintergrund der vorbeiziehenden Erdoberfläche,  ganz langsam zur Raumstation. Auf dem Adapterring von Harmony einmal aufgesetzt, veriegelten sich die Verbindungsbolzen zwischen beiden Modulen automatisch und der erste Baustein des vielteiligen japanischen Kibo-Labors wurde offizieller Teil der Internationalen Raumstation.

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Obwohl es der Bodenkontrolle am Vortag nicht gelungen war, die Energieverbindung zur kanadischen Dextre-Struktur aufzubauen, starteten Linnehan und Reismann während ihres Aussenbordeinsatzes erste Ausstattungsarbeiten an dem High-End-Roboter und montierten zangenartige „Hände“ am Ende seiner Greifarme.

Die Techniker auf der Erde hoffen noch vor Beginn von EVA-2 am Sonntag, die bestehenden Probleme mit Dextre lösen zu können. Dem Grunde nach scheint es sich dabei eher um einen Softfehler, als um einen Ausfall der Verbindung selbst zu handeln. Man vermutet bisher, dass vielleicht eine falsche Timereinstellung für die Schwierigkeiten verantwortlich ist.

Dextre war kurz nach dem Andocken des Shuttle am Mittwoch, gemeinsam mit seiner Transportpalette aus der Ladebucht gehoben und mit einem Knotenpunkt des sogenannten Mobile Base System an der ISS verbunden worden. Danach gelang es jedoch nicht, eine stabile Energie- und Datenverbindung dorthin herzustellen. Das Mobile Base System ist seinerseits Teil des Mobile Servicing System, das sich, als Ankerpunkt für den Canadarm-2 dienend, wie eine Schienenbahn auf der Gitterstruktur der Raumstation hin und her bewegen kann. Sollte sich die Energieverbindung darüber nicht wie geplant herstellen lassen, hat man immer noch die Option den stationseigenen Arm direkt mit Dextre zu koppeln und den Roboter so zu aktivieren.

Dextre liegt derzeit noch wie ein Bausatz in der Transportpalette und muss von den Astronauten, wie in einer Bastelstunde während der EVA´s zusamengesetzt werden. Dafür wurde heut ein erster wichtiger Schritt getan.

Weitere statistische Informationen zur Mission der Endeavour erhalten sie auf unserer STS-123-Seite

Bildquelle: NASA-TV

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~ von raumfahrt50plus - 14/ März/ 2008.

 
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