EVA 4 – REPARATURTESTS UND WARTUNG

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21. märz 2008
by raumfahrt50plus

Heute waren es „Bam Bam“ und „Dr. Goo“, die einen sechs Stunden und 24 Minuten dauernden Aussenbordeinsatz absolvierten und dabei einen, bei mehreren vorherigen Shuttle-Flügen bereits geplanten, aber aus Zeitgründen immer wieder verschobenen Test endlich ausführen konnten.

Die Astronauten Behnken und Forman, die im Funkverkehr während solcher Einsätze auch gern mal mittels ihrer Nicknames miteinander kommunizieren, hatten dabei die Aufgabe, unter Einsatz von neu entwickelten Materialien und Spezialwerkzeugen, Reparaturtechniken zu demonstrieren, um bei Bedarf auch im Weltraum selbst Reparaturen an eventuell beschädigten Hitzeschutzkacheln der Raumfähren ausführen zu können. Eine Maßnahme, deren Umsetzung eigentlich bereits von der Columbia-Untersuchungskommision als Voraussetzung bei der Wiederaufnahme der Flüge gefordert worden war. Bei der im Spätsommer dieses Jahres geplanten letzten Wartungsmission beim Hubble-Weltraumteleskop könnte es sich als wichtig erweisen diese Option einsatz- und funktionsbereit an Bord zu haben. Denn dann – Hubble bewegt sich auf einer gänzlich anderen Umlaufbahn als die ISS um die Erde- steht für die Astronauten kein „sicherer Hafen“, wie bei den Flügen zu Raumstation zur Verfügung, in dem sie, im Falle der Beschädigung des Hitzeschutzschildes ihrer Fähre, auch einmal längere Zeit ausharren und auf Rettung warten könnten.

Somit war es von besonderer Bedeutung, diese Tests mit ausreichendem zeitlichen Abstand zum Flug der Atlantis zu Hubble erfolgreich abzuschließen, müssen doch die Testmuster nach Rückkehr dieser Mission zur Erde auch noch ausführlichen Untersuchungungen und Auswertungen unterzogen werden. Erst dann kann man beurteilen, ob die Versuche letztendlich wirklich erfolgreich waren.

Die entsprechenden Arbeiten gingen den Astronauten zumindest leicht von der Hand, und sie selbst waren mit den erzielten Ergebnissen und dem Handling der Reparaturstoffe und -werkzeuge zufrieden. Ihnen stand für die seit langem geplante Demonstration eine Palette mit Hitzeschutzkacheln verschiedener Konfiguration zur Verfügung. Diese wiesen künstliche Löcher, Ausschnitte, Risse und Fugen auf, die Beschädigungen simulierten, welche die Raumfahrer mit einer zahnpastartigen pinkfarbenen Masse füllen, anschließend mit Schabern und Pinseln verteilen und, soweit möglich, sauber abziehen sollten. Die Masse selbst wurde mit einer speziellen Injektionsspritze, kurz T-RAD genannt, in die vorgegebenen Öffnungen gespritzt. Das Material besteht aus zwei Komponenten, die kurz vor dem Verlassen der T-RAD-Spitze im Inneren der Austrittsdüse zusammengeführt werden. Der Stoff wird auch als STA-54 bezeichnet und geht nach Einsetzen der chemischen Reaktion seiner beiden Bestandteile auf wie Brotteig. Dadurch erst erlangt er die angestrebte Fähigkeit, auch in kleine Risse eindringen und diese verschliessen zu können. Das Verhalten der dabei einsetzenden, durchaus erforderlichen Blasenbildung interessierte die NASA-Ingenieure bei diesem Test unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit besonders, da die Blasen bei Versuchen auf der Erde normalerweise den Drang haben zu Oberfläche aufzusteigen.

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Die Aufnahmen zeigen die Testpalette aus Sicht der Helmkamera von Michael Foreman vor und nach dem Einbringen von STA-54. Die gesamte Versuchsanordnung war für den Verlauf der Arbeiten an der Außenhülle des amerikanischen Destiny-Labors angebracht.

Neben diesem Haupttagesordnungspunkt hatten Foreman und Behnken noch ein paar weitere kleinere Aufgaben ausserhalb der Station zu erfüllen, die alle, bis auf eine, erfolgreich abgeschlossen werden konnten. So wurde gleich zu Beginn des Ausstieges ein defekter Trennschalter in einem Stromkreis ausgetauscht. Darüber hinaus gelang es ihnen, die noch verbliebenen thermischen Schutzhüllen an den Gelenken von Dextre zu entfernen, sowie Starthalterungen an dem Kopplungsring zu öffnen, an dem Ende Mai 2008 das Hauptmodul des japanischen Kibolabors festmachen soll.

Versuche eine elektrische Steckverbindung innerhalb der Z1-Struktur zu lösen und neu zu verlegen scheiterten jedoch gleich bei zwei Versuchen. Die fragliche Verbindung besteht nur auf Grund eines früheren Fehlers und leitet Energie für zwei der vier Kreisel, zur Lagestabilisierung der Station, derzeit über ein und den selben Stromkreis. Sollte dieser aber Versagen, würden gleich zwei der Kreisel ausfallen. Daher wollte die Bodenkontrolle durch die Neuverkabelung die eigentlich erforderliche Redundanz der Systeme wieder herstellen. Den Astronauten gelang es jedoch nicht, den dafür zu lösenden Stecker heraus zu ziehen.

Weitere statistische Informationen zur Mission der Endeavour erhalten sie auf unserer STS-123-Seite

Bildquelle Titel: NASA-TV

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~ von raumfahrt50plus - 21/ März/ 2008.

 
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