LETZTER AUSSENEINSATZ ERFOLGREICH

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23. märz 2008
by raumfahrt50plus

Nachdem er am Vortag letztmalig zur abschließenden Inspektion des Hitzeschildes der Endeavour eingesetzt wurde, verstauten die Astronauten den OBSS genannten Sensorarm der Raumfähre beim fünften Außenbordeinsatz dieser Mission an einem neuen und durchaus nicht üblichen Platz.

Sein Einsatz vom Freitag diente der Untersuchung jener kritischen Bereiche der  Außenhaut des Orbiters, die beim Wiedereintritt besonders hohen thermischen Belastungen ausgesetzt sind. Beim letzten derartigen Check jedes Shuttle-Fluges sucht man mit dem Orbiter Boom Sensor System (OBSS) nach eventuellen Einschlägen von Weltraumschrott oder Mikrometeoroiten. Auch diesmal wurde glücklicherweise nichts gefunden und die Raumfähre konnte von der NASA für die Landung und den hitzigen Flug durch die oberen Schichten der Erdatmosphäre freigegeben werden.

Normalerweise verstaut die Crew den 15 Meter langen Arm anschließend in der Ladebucht des Shuttle. Nicht so bei diesem Flug. Beim Transport des riesigen japanischen Forschungsmoduls Ende nächsten Monats mit dem Schwesterschiff Discovery, wäre kein Platz mehr für ihn im Bauch der Fähre. Deshalb griff man diesmal zu einer ganz besonderen Lösung. Der Arm verbleibt dabei auf der Raumstation und wird erst nach dem Ankoppeln des zweiten Bauteils aus Fernost von den Astronauten der nächsten Mission für die dann ebenso anstehenden Inspektionen des Hitzeschildes reaktiviert.

Damit dieser angedachte Ablauf auch wirklich Aussicht auf Erfolg hat, mussten Robert Behnken und Michael Foreman den Arm beim letzten Ausseneinsatz dieser Mission erst einmal an der Gitterstruktur der ISS befestigen und zwischenlagern. Dies, sowie der zugehörige Anschluss beider Heizungsstränge des Sensorsystems an die Energieversorgung der ISS, waren die eigentlichen Hauptaufgaben ihres sechs Stunden und zwei Minuten dauernden Aufenthaltes im freien Raum. Sie wurden genau so erfolgreich erfüllt, wie die weiteren Tagesordnungspunkte des bereits fünften EVA (Extra Vehicular Activity).

So gelang es den Astronauten nunmehr auch die Forschungspalette MISSE-6 außerhalb der Station zu installieren. Die Montage der Plattform mit Experimenten zum Materialverhalten unter Weltraumbedingungen hatte beim vorletzten Ausseneinsatz noch abgebrochen werden müssen, da ihre Halterungen nicht einrasteten. Die gleichen Probleme traten auch diesmal wieder auf, doch Behnken hatte im Gegensatz zum letzten Versuch einen Hammer dabei. So war es ihm möglich, mit etwas Krafteinsatz nachzuhelfen und die fraglichen Haltestifte in Position zu bringen.

Darüber hinaus montierten Behnken und Foreman thermische Schutzhüllen am neu gelieferten japanischen Modul, bevor sie sich der Inspektion des riesigen rechten Drehgelenks der ISS-Solarzellenflächen zuwenden konnten.

Dieses Gelenk bereitet den Ingenieuren bereits seit geraumer Zeit einige Sorgen. Es dient im Wesentlichen dazu, die grossen Solarzelleneinheiten der Station ständig der Sonne nachzuführen. Vor einigen Monaten wurden jedoch Kontaminationen durch Metallabrieb im Inneren des zugehörigen Lagers festgestellt. Die Ursachen dafür konnten jedoch bisher nicht lokalisiert werden. Deshalb wurden auch die Motoren, die das Gelenk bewegen,  vorrsorglich abgestellt und die Solarflächen so arretiert, dass sie denoch die größtmögliche elektrische Leistung für die Station abgeben können.

Bereits bei früheren Ausseneinsätzen von Austronauten, waren 17 von insgesamt 22 Abdeckungen der thermischen Schutzhülle am Gelenk entfernt worden, um einen besseren Einblick in das Drehlager zu haben. Michael Foreman demontierte diesmal die letzten fünf Teile dieser Abdeckungen. Somit sind alle Bereiche des betroffenen Lagerringes  zugänglich und auf Grund der durchgeführten optischen Kontrollen kann nunmehr fast sicher ausgeschlossen werden, dass ein Einschlag von außen (z.B. Mikrometeoroiten / Welraumschrott) die festgestellten Metallspäne verursacht haben könnte.

Diese Erkenntnis ist für die verantwortlichen NASA-Ingenieure von entscheidender Bedeutung, da so die Fehlersuche auf deutlich wenigere Bereiche eingeschränkt werden kann. Die Weltraumbehörde will zuerst genau verstehen, welche Gründe den Fehler verursacht haben könnten, bevor sie eine Entscheidung zur weiteren Vorgehensweise fällt. Dies zu tun, hat derzeit jedoch noch keine grosse Eile, da die Solarzellen scheinbar, auch ohne das ständige Nachführen der Steuerbordflächen, ausreichend elektrische Energie produzieren. Dies gilt wohl auch für den Zeitraum nach Andocken des größten japanischen Bauteils beim nächsten Shuttleflug. Der Betrieb dieses Moduls wird den Gesamtenergieverbrauch der Station weiter steigern und die Solarflächen müssen die erforderliche elektrische Energie erst einmal produzieren. Ihre optimale Ausrichtung auf unserer Hauptgestirn ist dabei natürlich von entscheidender Bedeutung.

Zur Lösung des Problems wurden bereits Proben der Metallkontaminationen, sowie eines der zwölf Rolllager des betroffenen Gelenks zur Erde gebracht. Nach dem heutigen Einsatz und dem Wissen, dass wohl definitiv keine äußeren Einflüsse für das Problem verantwortlich sind, stehen erst einmal weitere Analysen auf der Erde an. Insgesamt verfügt die NASA zur Lösung mehrere Optionen, die von der Reinigung des betroffenen Lagers, bis hin zur Nutzung eines außenseitigen Ersatzlageringes reichen. Dazu wären jedoch erhebliche Umbauten bei Aussenbordeinsätzen erforderlich, die man selbstverständlich erst angehen will, wenn man weiß, woher die Späne überhaupt kommen und was sie verursacht hat.

Zur Aufklärung hat der insgesamt 109. Aussenbordeinsatz der ISS-Geschichte seit 1998 erheblich beigetragen. Der Letzte seiner Art während dieser Endeavour-Mission steigerte die Gesamtaufenthaltszeit aller dabei eingesetzten Astronauten auf 687 Stunden und 11 Minuten. Die Astronauten dieses Fluges steuerten dazu allein 33 Stunden und 28 Minuten bei.

Weitere statistische Informationen zur Mission der Endeavour erhalten sie auf unserer STS-123-Seite

Bildquelle: NASA-TV

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~ von raumfahrt50plus - 23/ März/ 2008.

 
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