BURAN ERREICHT TECHNIK MUSEUM SPEYER

12. april 2008 *** by raumfahrt50plus

Am Ende gab es Champagner. Am Nachmittag steht die Raumfähre endlich auf dem Gelände des Technik Museum Speyer. Dessen Chef und Mitinitiator der gesamten Aktion, Hermann Layher, versammelte die Seinen und all diejenigen, die den Transport des russischen Buran-Prototyps in den letzten Wochen möglich gemacht hatten, um sich, um sich bei ihnen für die Anstrengungen dieser Tage zu bedanken. Großer Dank galt dabei vorallem am heutigen Tag, den Verantwortlichen, Fahrern und Mitarbeitern der Spedition Kübler, die seit den frühen Morgenstunden damit beschäftigt waren, die Buran zu erst aus dem Wasser und später auf dem Landweg von Naturhafen bis zum Museum in Speyer zu bugsieren.

DER TAG IN SPEYER

Seit dem Sonnenaufgang bereits herrscht reges Treiben im Naturhafen von Speyer, in dem am Freitag der Pontonzug mit der russischen Buran OK-GLI eigetroffen war. Langsam Treffen auch die vielen Journalisten und Gäste ein, die das Geschehen hautnah miterleben wollen.

Derweil sind die Mitarbeiter der Spedition Kübler, der holländischen Firma Van der Wees, die den Rheintransport abgewickelt hat und des Kranunternehmens Scholpp mit den Vorbereitungen für das Abladen aller Buran-Teile beschäftigt. Dies wird in Abschnitten erfolgen, damit die gesamte Transportkolonne, mit insgesamt vier Trucks, rechtzeitig zu der im Ablaufplan vorgesehenen Uhrzeit, zur Abfahrt bereit stehen kann.

Wie raumfahrt50plus von Heinz Rössler, dem Chef der Firma Kübler, erfährt, steht für den eigentlichen Straßentransport nur ein sehr eng begrenztes Zeitfenster zur Verfügung. Der Weg des Lindwurms der Fahrzeuge wird später die Ausfahrt eines großen, überregional arbeitenden Paketzentrums der Deutschen Post kreuzen. Jede Stunde Ausfall führt hier zu gravierenden Verzögerungen im Verteilsystem. Deshalb wurde vorab gemeinsam ein Zeitraum ausgehandelt, zu dem der Buran-Transport überhaupt stattfinden kann.

Nichts desto trotz gehen die Arbeiten mit einer erstaunlichen Ruhe und Gelassenheit von statten. Zuerst wird die linke Tragfläche von ihren, am Ponton verschweißten Transportverstrebungen und Haltern getrennt. Während dessen hängt sie bereits am Kranhaken. Als sämtliche Verbindungen mittels Schweißbrenner gelöst sind, schwebt sie frei über dem Schiff und wird anschließend zum ersten Sattelzug geschwenkt.

Es ist inzwischen bereits fast 11 Uhr als sich der riesige Flügel auf die Ladefläche senkt und dort verzurrt wird. Einige Fernsehsender berichten stundenweise live vom Fortgang der Arbeiten. Überhaupt ist das Interesse wieder riesig. Das schöne Wetter und die Buran haben viele Leute aus der Umgebung angelockt, die das Geschehen rund um den Naturhafen persönlich mitverfolgen wollen. Stundenlang harren sie interessiert aus. Viele Kinder sind dabei, die mit großen Augen das Entladen des russischen Shuttle bestaunen.

Eine Stunde nach der ersten, ist auch die zweite Tragfläche am Haken und bald darauf auf dem zweiten Truck verladen.

Anschließend wird der Ponton vorbereitet. Eine Rampe wird über seine gesamt Breite installiert. Über diesen soll die Zugmaschine, die bereits seit Rotterdam auf dem Schiff steht, den 16-achsigen Tieflader vom Bord ziehen. Dies kann jedoch erst einmal nur in sehr kurzen Fahrabschnitten geschehen. Der Tieflader muss ständig per elektronischer Waserwaage in der Waagerechten gehalten werden. Mehr als 4 Grad darf die Raumfahre nicht aus der Horizontalen geraten. Aber auch der Ponton selbst wird auf die Entlastung beim Verlassen seiner bisherigen tonnenschweren Fracht vorbereitet. Damit er durch seinen Auftrieb nicht wie ein Delfin aus dem Wasser schießt, füllt man seine Ballasttanks Schritt für Schritt mit Rheinwasser.

Nun kommt die große Stunde von Frieder Saam, dem Fahrer, der den Sattelzug von der Fähre und dann über die Straßen ins Museum steuern wird. Meter für Meter bewegt er das Gespann mit dem Rumpf der Buran vorwärts. Immer wieder gibt es längere Pausen zum Ausrichten der hyraulisch verstellbaren Achsen und zum Befüllen des Pontons.

Vollständig an Land wird es für Fahrer und Gefährt dann gleich wieder schwierig. Der gesamte Lastzug muss um fast 90 Grad in die endgültige Fahrtrichtung gedreht werden. Viel Platz zum Rangieren bleibt dabei nicht. Am Heck des Aufliegers ist der Hochwasser führende Rheinarm nicht weit entfernt und der Boden durchfeuchtet. Aber alles läuft glatt. Als dann auch noch das Seitenleitwerk auf einem separaten Truck verladen ist, ist der Konvoi komplett.

Nun ist es endlich soweit. Die Kolonne formiert sich. Voraus eskordiert die Polizei, an den Seiten schirmen viele Mitglieder des technischen Hilfswerks den gefährlichen Bereich mit einer Seilkette ab.

Es ist Nachmittag, als sich sämtliche Räder des Transports zu drehen beginnen. Ein kleines Waldstück ist zu durchqueren und dann hat man die Straßen Speyers unter sich. Und überall tausende begeisterte Zuschauer. Sie bilden ein dichtes Spalier, um die Buran zu begleiten. Polizei und THW haben alle Hände voll zu tun, die Menschen aus dem Gefahrenbereich zu zu bewegen. Die Tragflächen ragen weit über die eigentlichen Ladeflächen der Sattelauflieger hinaus. Aber es herrscht auch viel Disziplin, neben all dem Interesse und so kommt es zu keinerlei Zwischenfällen. Besonders spektakulär sind die Kurvendurchfahrten, wenn die Fahrzeuge abbiegen müssen. Dabei wird es zwar immer knapp, aber auch hier war alles so gut vorbereitet und geplant, dass nichts passiert.

Vier Kilometer Gesamtstrecke muss die Buran noch hinter sich bringen. Es sind die letzten einer Odyssee, die den Raumgleiter von Moskau, wo er gebaut wurde, über Baikonur, wo er geflogen und getest wurde, über seine Austellungsorte Sydney und Bahrein, über das Rote Meer, den Suezkanal, die Straße von Gibraltar nach Rotterdam und letztendlich, vorbei an Tausenden, über den Rhein bis nach Speyer gebracht hat.

Die Buran OK-GLI ist gelandet!

Aber auch hier ist noch nicht Schluss. Im September, wenn alles wieder vollständig zusammengesetzt, gereinigt und restauriert sein wird, dann erst findet der Prototyp der ersten russischen Raumfähre seinen endgültigen Platz, als Herzstück und Hauptattraktion der grössten europäischen Ausstellung zum 50. Jahrestag der bemannten Raumfahrt in der riesigen neuen Präsentationshalle des Technik Museum Speyer.

Apollo and Beyond wirft seine Schatten voraus und wird sicher ab dem Herbst wieder tausende begeisterte Musumsgänger anlocken. Und viele von denen, die dann kommen, werden sich an die aufregenden Tage im April erinnern, als sie dabei waren den grossen schwarz-weißen Vogel auf seiner letzten grossen Reise zu begleiten.

Alle Bilder: (c) 2008 raumfahrt50plus

Weitere Details können alle Sie auf den Buran-Sonderseiten oder den Sonderseiten vom Transport von raumfahrt50plus einsehen.

Weitere sehr umfassende Informationen erhalten Sie wenn Sie deen Transport-Blog von KOSMOLOGS verfolgen.

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~ von raumfahrt50plus - 12/ April/ 2008.

 
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