SOYUZ TMA-11 CREW WOHLAUF NACH BALLISTISCHEM WIEDEREINTRITT

19. april 2008 *** by raumfahrt50plus

Die Mannschaft der Expedition 16 Peggy Whitson und Yuri Malenchenko landete heute morgen gegen 10.30 Uhr MESZ, gemeinsam mit der südkoreanischen Raumfahrerin So-yeon Yi, etwa 420 km entfernt von der eigentlich vorgesehenen Landestelle in Kasachstan.

Nach bisher vorliegenden Erkenntnissen geriet die Soyuz-Kapsel während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auf eine sogenannte ballistische Abstiegsbahn. Diese fällt jedoch in der Regel wesentlich steiler aus, als die kontrollierte Flugbahn, bei der die Computer der Soyuz die Lageregelung der Kapsel übernehmen. Daher liegt die neue Landestelle auch hunderte Kilometer weiter westlich als geplant, da die Flugrichtung von Raumflugkörpern von West nach Ost verläuft. 

So wie es derzeit aussieht, hat die Crew selbst wohl zuerst garnicht bemerkt, dass ihr Schiff auf die ballistische Eintrittskurve „umgeswitcht“ ist. Während dieser Art der Landung steigen die auf die Raumfahrer wirkenden G-Kräfte stark an, was aber in der Regel weitgehend unproblematisch ist, da sie sich in einem Rahmen abspielen, den kurzzeitig sogar untrainierte Personen überstehen könnten.

Prinzipiell stellt ein ballistischer Verlauf der Eintrittsflugbahn eine Situation dar, die von der Flugkontrolle als nicht normal bewertet wird, auch wenn dieser Fall bereits mehrfach in der Vergangenheit eingetreten ist. Der heutige Vorfall stellt bereits den dritten derartigen Landevorgang einer Soyuz-TMA-Kapsel in den letzten fünf Jahren dar. Bereits Soyuz TMA-1 und TMA 10 „stürzten“ auf diese ungeplante Weise zur Erde zurück. Gründe für die heutige außerplanmässige Landung sind derzeit noch nicht bekannt und werden in den nächsten Wochen sicher weiterführende Untersuchungen nach sich ziehen.

Da die Bergungsteams über 400 km entfernt von der letztendlichen Landestelle auf die Soyuz „warteten“, dauerte es länger als gewöhnlich, bis Einsatzkräfte vor Ort waren, um die Kapsel zu sichern und die Mannschaft aus der Enge der Kabine zu befreien. Yuri Malenchenko hatte sich kurz nach dem Aufsetzen per Satelliten-Telefon mit der Flugleitzentrale in Verbindung gesetzt und mitgeteilt, dass alle Besatzungsmitglieder wohlauf sein. Aber auch die nominale Funkkverbindung war zusammengebrochen, und so dauerte es trotz allem eine nervenaufreibende dreiviertel Stunde, bis Gewissheit über den Zustand der Mannschaft bestand.

Ein entlang der Abstiegsbahn stationierter Bergungshubschrauber hatte die Kapsel dennoch recht schnell endeckt. Daher vergingen nicht, wie zuerst noch befürchtet, Stunden des Wartens, bevor Malenchenko, Whitson und Yi geborgen werden konnten. Alle drei sind nach bisherigen Berichten bei guter Gesundheit.

Whitson und ihr russischer Kollege Malenchenko hatten insgesamt über 191 Tage auf der Internationalen Raumstation verbracht und damit ihre persönlichen Weltraumaufenthaltszeiten auf 377, beziehungsweise 515  Tage hochgeschraubt. Whitson ist damit seit dieser Woche alleinige U.S.-Rekordhalterin.

Informieren Sie sich bitte auch auf unserer Soyuz-TMA-11 Seite

Bildquelle: alle Fotos AP Photos/floridatoday 

Advertisements

~ von raumfahrt50plus - 19/ April/ 2008.

 
%d Bloggern gefällt das: