SOYUZ TMA-11/ NEUES ZUR LANDUNG/ WHITSON ÄUSSERT SICH

24. april 2008 *** by raumfahrt50plus

Die dramatischen Minuten des letzten Flugabschnittes der Soyuz TMA-11-Kapsel beschäftigten in den vergangenen Tagen die Verantwortlichen und Betroffenen intensiv. Russische Ingenieure untersuchen seitdem genauer, was den ballistischen Wiedereintritt des Raumschiffs- immerhin der zweite in Folge und bereits der dritte der TMA-Version- verursacht haben könnte. Immerhin scheinen inzwischen erste neue Erkenntnisse zum Hergang der nicht planmäßig verlaufenen Landung vorzuliegen.

So wurde bekannt, dass es bereits bei der vorangegangenen Landung, die für Soyuz TMA-10 und die damalige Besatzung ebenfalls in einer ballistischen Abstiegskurve grendet hatte, Probleme bei der Trennung der Hauptmodule der Soyuz gegeben haben soll. Speziell das Servicemodul sei nicht planmäßig von der Rückkehrkapsel getrennt worden und habe somit die gesamte Eintrittsgeometrie erheblich beeinflusst. Bisher war lediglich von einer defekten Kabelisolierung berichtet worden, die wiederum, vereinfacht dargestellt, einen Kurzschluss verursachte, der das automatische Umschalten des Landeregimes auf „ballistisch“ zur Folge hatte. Genau dieses Kabel war jedoch noch im Orbit noch von den Raumfahrern untersucht und als in Ordnung bewertet worden. Es wird daher zur Zeit nicht mehr ausgeschlossen, dass auch bei der jüngsten Landung Schwierigkeiten mit der Modultrennung zu den geschilderten Ergeignissen geführt haben könnten. 

Die Module werden pyrotechnisch mittels Sprengbolzen voneinander getrennt. Dies geschieht im Flugprofil einer Soyuzlandung beim Abstieg kurz bevor die oberen dichten Luftschichten der Erdatmosphäre erreicht werden. Danach sollte im Regelfall die Rückkehrkapsel völlig separiert, mit ihrem Hitzeschild voran, in die Atmosphäre eintauchen und durch kontrollierte Ausrichtung und Lageregelungsmanöver sozusagen auf den Luftschichten, in einer weit geschwungenen Bahn, gen Erdboden „surfen“. Diese ausgedehnte Flugkurve verteilt die wirkenden Bremskräfte und daraus folgend auch die abzubauende Energie auf einen größeren Zeitraum und minimiert so die auf die Besatzung wirkenden G-Kräfte.

Gerät die Kapsel in eine ballistische Flugbahn verhält sie sich, dem entgegen, eher wie ein Geschoss, dass mit weitaus höherer Geschwindigkeit auf die Lufthülle der Erde trifft. Die enorme Geschwindigkeit des Raumfahrzeuges wird dabei schneller und abrupter vernichtet, und die negativen Beschleunigungskräfte auf die in ihren Sitzschalen festgeschnallten Raumfahrer, erreichen Werte, die für einen menschlichen Organismus, der zuvor zusätzlich über längere Zeiträume der Schwerelosigkeit ausgesetzt war, eine durchaus grenzwertige Belastung darstellt.

Peggy Whitson, die Kommandeurin der zurück gekehrten ISS-Langzeitbesatzung, hat das nunmehr in einer ersten Stellungnahme auch deutlich geschildert.

„Kurz nach der Modultrennung switchten wir automatisch in den ballistischen Modus, was bedeutet, dass wir bis auf 8G  hochdrehten und in einem steileren Abstieg gerieten…Ich sah auf der Anzeige 8.2 G, es war wirklich, wirklich dramatisch. Gravitation ist nicht gerade mein Freund im Moment. Und 8G war dies insbesondere nicht. Aber es dauerte nicht zu lange.“ Auch Whitsons koreanische Kollegin So-yeon Yi berichtete von beängstigenten Flammenbildungen außerhalb und ihrer Befürchtung die Kapsel könnte verglühen.

Die steilere Flugkurve führte dazu, dass sich der letztendliche Landepunkt der TMA-11 um etwa 420 Kilometer nach Westen verschob und die weiter östlich in der kasachischen Steppe wartenden Bergungsteams erst mit einiger Verspätung am Aufschlagpunkt der Kapsel eintrafen.

Whitson über die eigentliche Landung: „…die Entfaltung des Landfallschirms verlief normal und der Aufschlag… ich glaube, vielleicht weil ich so viele Geschichten gehört hatte, war nicht ganz so schlimm wie ich befürchtetete.“ Ihre ersten Eindrücke nach der Landung seien der leichte Luftzug außerhalb der Soyuz, das Vogelgezwitscher und der Geruch von verbranntem Grass gewesen. Bauern hatte das Gebiet im Umfeld der Landestelle zuvor gezielt in Brand gesetzt.

Kasachische Bauern waren dann auch die ersten, die Notiz von der gelandeten Kapsel nahmen. „Zuerst hatten es einige Leute gesehen.“, die, so Whitson, schnell näher kamen und ihr und Yi aus dem Raumschiff halfen. “ Das lief sehr gut und so warteten wir einfach bis die Such- und Rettungsteams eintrafen.“

Auch über Yuri Malenchko hatte die Expedition 16 Kommandeurin nur gutes zu berichten. „Yuri ist ein großartiger Soyuz-Kommandant und er hat während der gesamte Zeit einen hervorragenden Job gemacht, um sicherzustellen, dass wir immer auf Kurs blieben und alles angemessen ablief.“

In der nächsten Zeit bleibt abzuwarten, was die genaueren Untersuchungen der Rückkehrkapsel zu Tage bringen werden, und welche Schlüsse daraus für die folgenden Soyuz-Einsätze zu ziehen sind. Insbesondere der Rückkehr, der bereits an der ISS angedockten Soyuz TMA-12 wird besonderes Augenmerk zuteil werden müssen, da bei diesem Modell eventuell erforderliche Umrüstungen und Modifikationen naturgemäß nur noch in sehr beschränkten Umfang möglich sein werden.

Informieren Sie sich bitte auch auf unserer Soyuz-TMA-11 Seite.

Bildquellen: Titel: AP Photo Misha Japaidze / Texteil: NASA Reuters Pool

 

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~ von raumfahrt50plus - 24/ April/ 2008.

 
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