STS-124 DISCOVERY ERFOLGREICH GESTARTET

31.mai 2008 *** by raumfahrt50plus

Nach einer reibungslos verlaufenen Vorbereitungszeit über den gesamten vergangenen Monat hob heute die U.S.-amerikanische Raumfähre Discovery pünktlich von der Startrampe 39A des Kennedy Space Center in Florida ab.

Wie geplant zündeten die Triebwerke des Space Shuttle um 23.02 Uhr MESZ und beschleunigten es mit der an Bord befindlichen siebenköpfigen Crew und seiner Nutzlast, dem Haupbauteil des japanischen KIBO-Moduls für die Internationale Raumstation, in Richtung Orbit. Das Weltraumlabor aus Fernost stellt die insgesamt gewaltigste Nutzlast dar, die jemals mit einem Shuttle in eine erdnahe Umlaufbahn befördert wurde.

Der Countdown, welcher vor zwei Tagen gestartet worden war und die Aufstiegsphase nach dem Verlassen des Starttisches verliefen zur Zufriedenheit der NASA-Verantwortlichen völlig problemlos und frei von unplanmäßigen  Vorkommnissen. Die während der Live-Übertragung wieder zu beobachtenden Bruchstücke von Isolierschaum wurden während der anschließenden, routienemäßig stattfindenden Start-Pressekonferenz der NASA als nominal und ohne Einfluss auf die Unversehrtheit des Hitzeschildes des Orbiters qualifiziert. Die Vorfälle hatten alle relativ spät in der Startphase in den höheren, weniger dichten Schichten der Erdatmosphäre stattgefunden. Damit war die Relativgeschwindigkeit zum gen Orbit rasenden Shuttle aufgrund fehlender Reibungsenergie so gering, dass größere Beschädigungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden können. Gewissheit über den Zustand des Hitzeschildes werden jedoch, wie immer nach der Columbia-Katastrophe, erst die planmäßigen Checks im Verlaufe der nächsten Flugtage bringen.

Diese Untersuchungen werden diesmal etwas anders als bei den vorherigen Missionen ablaufen, da das 15.9 Tonnen schwere Kibo-Labor zu groß ist, um gleichzeitig um ein sogenanntes Orbiter Boom Sensor System (OBSS) in der Nutzlastbucht mitzuführen. Dieses Zusatzelement zum eigentlichen Shuttlearm dient der eigentlichen Untersuchung der Unterseite und anderer kritischer Teile des Hitzeschildes jedes Orbiters. Das OBSS wurde daher bei der letzten Shuttle-Mission auf der ISS zurückgelassen und steht der Besatzung der Discovery somit erst nach dem Andocken an der Raumstation am Montag zur Verfügung.

Im weiteren Verlauf der ersten Flugphase wurde der Ausfall eines redundanten elektronischen Steuerungssystems des linken Lageregelungstriebwerkes der Raumfähre bekannt. Laut NASA besteht jedoch auch in diesem Fall kein Grund zur Sorge, da das unplanmäßige Abschalten dieses Systems keinen Einfluss auf den Fortgang der Mission hat. Sollte eine Wiederinbetriebnahme scheitern steht im ungünstigsten Fall lediglich ein Ersatzsystem nicht zur Verfügung. Zwischenzeitlich wurden beide Lageregelungstriebwerke bereits wie vorgesehen erstmals für zwei Minuten 44 Sekunden gezündet, um die Flugbahn des Shuttle so anzuheben, dass  eine langsame Annäherung an die ISS bis Montag gewährleistet werden kann. Weitere derartige Zündungen stehen im Verlaufe der nächsten Stunden auf dem Plan.

Auch konnte mit dem Öffnen der Ladebuchtüren ein weiteres entscheidendes Manöver der ersten Flugphase erfolgreich abgeschlossen werden. Die Innenseiten der der riesigen Tore sind mit großen Radiatorflächen versehen, die zur Kühlung des Shuttle unbedingt erforderlich sind. Ohne deren Kühlleistung würde sich die Raumfähre unter der direkten Sonneneinstrahlung im All und der  Wärmeentwicklung der eigenen technischen Systeme derart aufheizen, dass ein längerer bemannter Flug undenkbar wäre.

Die Stammbesatzung der Raumstation konnte den Start der Discovery von der Umlaufbahn aus live mitverfolgen. An Bord des Shuttle befindet sich mit dem Amerikaner Chamitoff die ablösung für Garrett Reisman, der sich seit der letzten Shuttle-Mission auf der ISS befindet. Zusammen mit den russischen Kosmonauten Wolkov und Kononjenko bildet er derzeit die Stammbesatzung der Expedition 17 auf dem orbitalen Außenposten. Gregory Chamitoff soll nach Rückkehr der Discovery insgesamt sechs Monate auf der ISS verbleiben und als Mitglied der Stammbesatzung wissenschaftliche und wartungstechnische Aufgaben erfüllen. Ein erster sehr wichtiger Punkt nach Ankunft der Discovery wird für die  Besatzung der Raumstation der Austausch einer defekten Pumpe der bordeigenen Toillettenanlage sein. Diese hatte vor kurzen ihren Dienst versagt, so dass die Mannschaft an diesem entscheidenden Punkt des Aufenthaltskomforts im All auf Improvisionen angewiesen war und die nicht dafür vorgesehen Toilette der angedockten Soyuz-Rückkehrkapsel nutzen musste.

Bildquelle: NASA/ NASA-Television

Bitte informieren Sie sich auch auf unserer STS-124 Seite

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~ von raumfahrt50plus - 1/ Juni/ 2008.

 
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